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Geschichte und Geschichten

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DER „ALTEN STADTKASSE”

Hauptstraße 24
Zusammengetragen von Heiner Gassert

Im Jahre 1240 wurden in Neckargemünd zum Schutze der 160-180 Bürger Mauern, Tore und Wehrtürme errichtet. Dabei wurden die damaligen Engstellen, bei der evangelischen Kirche für das untere Tor und kurz nach dem heutigen Pflughof für das obere Tor ausgesucht. Die so entstandene Durchfahrtsstrasse ist die heutige Hauptstrasse. Von der Hauptstrasse zweigten kurz oberhalb des unteren Tores, je eine Strasse nach links und rechts ab. Links zweigte die Untere Strasse und rechts die Obere Strasse ab und kamen beim heutigen Museumsgarten und der Pfluggasse wieder zurück auf die Hauptstrasse. Diese Seitenstrassen die sich im Oval um die Hauptstrasse befanden wurden auf ihrem Weg nach oben mit zahlreichen Abzweigungen mit der Hauptstrasse verbunden. Beispiele sind: Brückengasse, Elisenstrasse, Kirchgasse, Spitalgasse.

Auf dem Marktplatz, da wo heute die katholische Kirche steht befand sich das im 16.Jahrhundert errichtete Gebäude in dem bis 1723 das Gasthaus Zum Pflug untergebracht war. Da die Stadtväter beschlossen an dieser Stelle ein neues Rathaus zu bauen verkaufte 1723 der ,,Schwertwirt“ Johann Martin Breunling das Gebäude der Stadt mit allem Zubehör außer der Schildgerechtigkeit, die ihn berechtigte an einem anderen Ort ein Gasthaus zu betreiben.

Zwischenzeitlich wurde die alte Stadtmauer durch die rege Bautätigkeit teilweise mit Häusern und Stallungen überbaut. An der Ecke Hauptstrasse-Untere Strasse (heutige Pfluggasse) baute die Fam. Breunling 1729-1731 das Gasthaus Zum Goldenen Pflug, das ab 1736 von Johann Georg Breunling geführt wurde. Das Gebäude wurde zum Teil auf der Stadtmauer errichtet und der Wehrgang vom oberen Tor zum unteren Wehrturm wurde überbaut. 1769-1771 wurde der obere Torturm an der Hauptstrasse16 und der untere Wehrturm in der Pfluggasse 13 abgebrochen und der restliche Wehrgang zugeschüttet.

Im Jahre 1804 kaufte die Fam. Hölzer das Gebäude um dort außer dem Gasthaus eine Brauerei und eine Branntweinbrennerei zu betreiben. 1829 wurde das Gebäude von der Fam. Hölzer in Massivbauweise so umgebaut wie es sich heute noch darstellt.
Für damalige Verhältnisse waren die Räumlichkeiten sehr großzügig angelegt. Nach diesem Umbau war „Der Pflughof“ eines der größten und traditionsreichsten Gasthäuser an der frequentierten Fernverkehrstrasse Heidelberg –Neckargemünd-Mosbach/Sinsheim. In den neuen Räumen fanden dann auch verschiedene Versammlungen der Bürger statt.

1877 wurde die Untere Strasse durch den Abbruch eines Schulhauses und die Beseitigung der Mauerreste mit der heutigen Dilsberger Strasse verbunden und zur Neckarstrasse umbenannt. Das zur Hauptstrasse führende Teil der Unteren Strasse erhielt den Namen Pfluggasse in Erinnerung an das Gasthaus Zum Goldenen Pflug.

Am 26.November 1887 haben J.F. Menzer, Ph. Gerich und Chr. Götz die Gewerbetreibenden in Neckargemünd zur Gründungsversammlung eines Gewerbevereins in das Gasthaus Zum Goldenen Pflug eingeladen. Dieser Einladung sind dann 19 Personen gefolgt die dann die Gründung des ersten Neckargemünder Gewerbevereins mit dem 1.Vorsitzenden J.F. Menzer beschlossen.

1919 kaufte die Stadt das Gebäude und brachte 1921 dort die neue Bezirkssparkasse unter die seit 1901 im Obergeschoss des Rathauses als Spar- und Waisenkasse untergebracht war. 1935 bezog die Bezirkssparkasse Neckargemünd ihr erstes eigenes Sparkassengebäude in der Bahnhofstrasse. Ab diesem Zeitpunkt war dann die Stadtkasse, das Einwohnermeldeamt, das Passamt und der Ratssaal untergebracht. Auch der Bauhof nutzte das Gelände und der Anbau wurde für das Museum genutzt.
Im Dachgeschoss befanden sich zwei Wohneinheiten für städtische Angestellte.

Die zweistöckigen Gewölbekeller waren für die Bevölkerung im 2.Weltkrieg sichere Luftschutzräume. (Klaus Nelson) Danach wurden durch verschiedene Umbaumaßnahmen drei Kellerzugänge entfernt so dass eine sinnvolle Nutzung der Gewölbe nicht mehr möglich war.

Im Zuge der Errichtung einer Tiefgarage unter dem Pflughofareal und der neuen Nutzung der Aufbauten wurde die „Alte Stadtkasse“ an einen Investor verkauft der sie, leicht renoviert, an verschiedene Firmen vermietete.

Leider wurde die Pflege des historisch wertvollen Gebäudes sehr vernachlässigt. So wurde ein Wasserrohrbruch erst nach Tagen von angrenzenden Nachbarn entdeckt weil das Gebäude zu diesem Zeitpunkt leer stand. Die Hinterlassenschaften der diversen Mieter füllten mittlerweile sowohl 100qm Speicherraum als auch sämtliche Gewölbekeller. 60 Kubikmeter/8 Tonnen Schrott, Müll und Hausrat waren vom Dach bis zum Keller zu entsorgen.

1972 wurde das Gebäude zum Kulturdenkmal erhoben (§2DSchG)

Objekte an deren Erhaltung aus wissenschaftlichen, künstlerischen oder heimatgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht


Das betrifft im Falle Alte Stadtkasse den Anteil der Stadtmauer.

Die neue Eigentümerin, die GbR Alte Stadtkasse, hat sich zur Aufgabe gemacht das Haus zu sanieren und von den Kellern bis zum Dach benutzbar zu machen und das erhaltenswerte zu erhalten.

Neckargemünd den 1. Juli 2009